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….Söder hat sich zu einer Art Superspreader für allzu schnelle Ideen entwickelt. Schon damit liefert er selbst täglich neue Belege, wie notwendig für unruhige Regierungschefs eine stärkere Kontrolle sein kann. Er wirkt allzu verliebt in die Idee, sich als eine Art Deichgraf in der Not für höhere Aufgaben zu empfehlen. Dabei lädt die traurige Corona-Bilanz in Bayern mit vergleichsweise vielen Infektionen und Toten nicht dazu ein, sich Rat von ihm zu wünschen. So falsch es sein dürfte, ihm diese Bilanz anzulasten, so unangebracht waren seine Belehrungen gegenüber anderen. Diese Krise ruft nicht nach vermeintlichen politischen Helden, die je nach politischer Tageslage einen Alleingang im föderalen System verkünden oder – wie Söder es jetzt tat – ein Stück Föderalismus zur Disposition stellen……

(SZ 21.10.)

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Wien – Österreich, lernt man auf einschlägigen Webseiten zu Waldwirtschaft und Forstpraxis, ist eines der waldreichsten Länder der EU. Mit einer „Waldausstattung“ von 48 Prozent ist es neben Slowenien eines der am dichtesten bewaldeten Länder Mitteleuropas; auf jeden Österreicher, jede Österreicherin entfällt ein halber Hektar Bäume. US-Präsident Donald Trump muss das alles und mehr gewusst haben, als er am Dienstag seinem Lieblingssender Fox News nach einem Besuch in Kalifornien erklärte, Österreich sei eine „Waldnation“, man lebe dort in „Waldstädten“, und obwohl es in Österreich mehr „explosive Bäume“ gebe, gingen die Waldmenschen im Waldland Österreich damit besser um; sie räumten am Waldboden besser auf.

Nun weiß jeder gelernte Österreicher, dass ein gutes Fünftel der Einwohner des Landes in der Hauptstadt Wien wohnen, die zwar sehr schön, aber nicht sehr bewaldet ist. Und man weiß auch, dass es im Land zwar politisch bisweilen hinterwäldlerisch zugeht, aber selbst im Waldviertel die Bewohner nicht auf den Bäumen leben. Dennoch machten sich Hunderte gut gelaunt daran zu beweisen, dass der Amerikaner recht hat. Star in den sozialen Netzwerken ist der selbst ernannte Dichterpoet mit Twitternamen „dichti“, der den großartigen Spruch prägte: „America First. Austria Förster.“

Was ist ein Mann mit Laptop auf einem Baumstamm? Ein Österreicher im Home-Office!