EM

Ein Eröffnungsspiel bei einem großen Turnier ist wie der erste Satz in einem Roman. Entweder man schaut oder liest danach begeistert weiter. Oder man quält sich durch die kommenden Partien und Seiten. Als Nagelsmann kurz vor dem Pausenpfiff das Gegenteil eines Notfallplans verkündete, lagen die Schotten bereits mit 0:3 am Boden und hatten einen Mann weniger auf dem Rasen. Vorschlag also zum literarischen Hineinfinden in diesen spielerisch vorzüglichen Auftakt der EM im eigenen Land: Nagelsmann rief Bravo! Immer weiter so, Männer! …..SZ

EM Song

Am Freitag ist der offizielle EM-Song veröffentlicht worden, und wer auch nur kurz hineinhört, der steht vor großen Fragen. Wie kam es zu der aufmerksamkeitsökonomisch eigenwilligen Idee, das Fabrikat ausgerechnet an jenem Wochenende auszuliefern, an dem der Eurovision Song Contest die Kapazitäten des Kontinents bindet? Was ist es genau, das „Fire“ von Meduza, One Republic und Leony auf so perfekte Weise egal klingen lässt? Und warum beginnt dieses Lied, das doch ein Lied der Freude sein will, mit einer Kernspintomografie?

„We got our secrets hidden inside our bones“, lautet die erste Zeile. Mit so einem Satz rechnet man in der Praxis von Doktor Müller-Wohlfahrt oder in der Suppenküche von Doktor Hannibal Lecter. Mit so einem Satz rechnet man aber nicht in einem EM-Song. Immerhin verabschiedet sich dieser dann schnell aus dem Knochenmark und geht textlich da hin, wo noch sämtliche Vorgänger des Genres ihr Glück gesucht haben: „We’re on fire tonight / Like a million diamonds in the sky … And we’re lost in all the lights.“ Fazit: Leony in the Sky with Diamonds. (SZ)