Sauguad !

Herzlich willkommen liebe Leserinnen und Leserinnen

was der FC Bayern und Borussia Dortmund spielerisch zuletzt ablieferten war zwar kein Champagner-Fußball, trotzdem prickelt es vor dem Klassiker gewohnt kräftig. Der BVB befindet sich nach wettbewerbsübergreifend drei Siegen in Folge im Aufschwung. Die Münchner erleben nach einem 2:0 gegen Olympiakos Piräus zwar nur ein Aufschwüngchen, doch die Heimspiele gegen die Dortmunder hat der FC Bayern besonders gern. 0:5, 0:6, 1:4, 1:5 – das liest sich aus Dortmunder Sicht wie die Bilanz eines Aufsteigers in München, ist aber die Ausbeute der Dortmunder in den vergangenen vier Bundeligasaisons. Wird der Klassiker prickelnd oder schal? Wir sind auf jeden Fall gespannt und halten Sie, liebe Leserinnen und Leser, auf dem Laufenden.

Uuuund da ist schon die Aufstellung der Münchner. Hansi Flick setzt auf die gleiche Startelf wie schon beim Spiel gegen Piräus. Also mit Thomas Müller und Leon Goretzka und ohne Coutinho und ohne Thiago.

Lucien Favre, der alte Fuchs, setzt ebenfalls elf Spieler dagegen. Geschickt. Marco Reus ist nicht rechtzeitig fit geworden, dafür spielen mit Mario Götze und Mats Hummels zwei Akteure, bei denen wir im späteren Verlauf dieses Tickers noch das Wort „ausgerechnet“ verwenden könnten.

Aber das schaut doch insgesamt seriös aus. Im Musikbusiness würde man sagen: Top Lineup.

Meine Vorhersage: Bayern fordert den Ball, Dortmund lauert auf Konter, und die Münchner müssen dann Jadon Sancho und Achraf Hakimi einfangen. Der BVB muss wiederum Robert Lewandowski in den Griff kriegen, was in dieser Saison bisher nur der VfL Bochum geschafft hat.

Dieses Duell treibt ja mitunter merkwürdige Blüten. Auch in der Werbung. Ein Lkw-Hersteller, der Bayern und den BVB sponsert, inszenierte das Spiel der beiden als Rennen zwischen zwei … genau: Lkw. Nun ja, wollen wir mal hoffen, dass die Spieler sich heute explosiver bewegen als zwei 7,5-Tonner bei 15 Prozent Steigung auf der Autobahn.

Sky-Mann Patrick Wasserziehr fragt Hansi Flick, ob Philippe Coutinho und Thiago „eine ernsthafte Option“ seien. Vermutlich erwartet er, dass Flick antwortet: „Nein, denn sie können beide kaum einen Ball stoppen.“ Tut Flick auch zu unserer Überraschung nicht.

Hansi Flick stand noch nicht so oft vor der Kamera wie manch erfahrener Cheftrainer-Kollege, aber die Fußballweisheiten weiß auch er zu zitieren: „Der Gegner ist immer so gut, wie man es zulässt“, antwortete er auf eine Frage, ob eine Leistung wie aus dem Piräus-Spiel heute gegen Dortmund reichen könnte. Trotzdem wünsche er sich diesmal mehr Spielfreude von seinen Spielern. Zur Erinnerung: Flick ist ja seit der WM 2014 quasi der Erfinder des Standards. Wir kaufen ihm das mit der Spielfreude dennoch ab.

Kurz zu Borussia Dortmund. Die waren ja erst in der Krise, es fiel sehr oft das Wort Mentalität und Hans-Joachim Watzke sagte vielleicht ein bisschen zu oft, dass er Jürgen Klopp vermisse. Dann kam dieses Pokal-Spiel gegen Gladbach, in dem Julian Brandt beim Stand von 0:1 aus BVB-Sicht zwei Geistesblitze hatte – und seitdem läuft es irgendwie wieder.

Also entweder ist ausgerechnet Julian Brandt der perfekte Feuerwehrmann (höhö) oder es lief doch nicht so viel schief wie gedacht.

Und beim FC Bayern wabert noch diese Wenger-Nummer. Die Faktenlage in Kürze: Der FC Bayern sagte via Bild-Zeitung Arsène Wenger ab, meinte, der Ex-Trainer des FC Arsenal habe angerufen und sein Interesse bekundet, aber man werde dankend ablehnen. Dann äußert sich Wenger, sagt, er habe lediglich ZURÜCKgerufen und nur gesagt, er wolle darüber nachdenken, Bayern-Trainer zu werden. Wer recht hat? Bislang hat leider noch niemand Karl-Heinz Rummenigge konfrontiert oder seine Anrufliste eingesehen. Herr Wasserziehr?

Lucien Favre mit einem Interview, das man getrost unter psychologischer Kriegsführung abheften kann. Auf Fragen von Sky-Reporter Patrick Wasserziehr zu Taktik und Personalien stellt er gleich zweimal einfach die Gegenfrage: Was?! Uns hat Favre jedenfalls gebrochen.

Verzeihen Sie uns übrigens, liebe Leser, wenn wir auf diese „Männerfußball“-Rhetorik von Borussia Dortmund nicht im Detail eingehen. Dafür hier ein Interview mit der deutschen Nationaltorhüterin Almuth Schult, die fragt, warum der BVB eigentlich kein Frauenteam hat.

In der Sky-Berichterstattung hat der Faktor „Körpersprache“ übrigens einen Stellenwert für den Ausgang der Partie – ich bin jedenfalls überzeugt: Wer grimmiger guckt, gewinnt hier 5:0. Sichere Nummer.

Als Journalisten glauben wir ja nicht an Omen, sondern nur an Fakten. Trotzdem sei erwähnt, dass an diesem Bundesliga-Samstag auffallend viele Tore nach Standards fielen: fünf in vier Spielen. Quasi-Standard-Erfinder Hansi Flick gefällt das. Fakt.

Morgen jährt sich der Todestag des ehemaligen Nationaltorhüters Robert Enke. Vor Spielbeginn gibt es hier deswegen eine Gedenkminute.

Anstoß, Bayern – Dortmund, 0:0 Und nun geht es am 30. Gedenktag des Mauerfalls los. Nach unserer Info beginnt dieses Topspiel damit sofort, unverzüglich.

1. Minute, Bayern – Dortmund, 0:0 Erste Chance für den FC Bayern durch … Robert Lewandowski. Müller steckt durch, aber Roman Bürki ist gedankenschnell und haut den Ball hinten raus. Ein Gegentor nach 20 Sekunden wäre für Dortmund auch nicht so gut gewesen. Unsere Meinung.

4. Minute, Bayern – Dortmund, 0:0 In den ersten Minuten wechselt der Ball hier so schnell den Besitzer wie ein Designerstück im Second-Hand-Laden. Wirklich Kontrolle strahlt noch keine Mannschaft aus.

5. Minute, Bayern – Dortmund, 0:0 Alphonso Davies steht bisher tief in der eigenen Hälfte, das Spiel des FC Bayern ist rechtslastig. Trotzdem: Hakimi/Sancho gegen Coman/Davies könnte ein sogenanntes Schlüsselduell dieses Spiels werden.

8. Minute, Bayern – Dortmund, 0:0 Kingsley Coman wird ja auch „King“ genannt. Für die schmutzige Arbeit in der Abwehr ist sich der royale Dribbler heute aber nicht zu schade. Schon mehrfach ist er auf der Linksverteidigerposition aufgetaucht, um den jungen Alphonso Davies zu unterstützen. Pluspunkt im möglichen Schlüsselduell.

10. Minute, Bayern – Dortmund, 0:0 Robert Lewandowski versucht es alleine gegen die Dortmunder Abwehr, wird aber von Mats Hummels sauber gestoppt. Leider hat Joachim Löw gerade nicht hingeguckt. Bitter.

12. Minute, Bayern – Dortmund, 0:0 Kingsley Coman, der jetzt wirklich nicht der geborene Maurermeister ist, verteidigt hier so diszipliniert, wenn Niko Kovac sich dieses Spiel irgendwo anguckt, müsste er schon jetzt im Stadium der stummen Verzweiflung sein.

13. Minute, Bayern – Dortmund, 0:0 Jetzt haben die Dortmunder die Chance auf ihr gefürchtetes Umschaltspiel, aber der Aushilfsinnenverteidiger David Alaba foult Mario Götze früh im Mittelfeld und erstickt das Ganze in der Entstehung. Was verpasst wird: Die Chance auf die erste Rudelbildung. Alaba deeskaliert so antizipierend wie zuvor mit seinem Foul. Tätschler links, Tätschler rechts, alles wieder in Ordnung.

15. Minute, Bayern – Dortmund, 0:0 Quarterback-Pass von David Alaba – aber Serge Gnabry verpasst den Catch. Interception Dortmund. Noch 30 Minuten bis zur Halbzeit-Show.

17. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Tor für den FC Bayern! Ein gewisses Talent namens Robert Lewandowski köpft die Führung. Die Dortmunder haben den unbekannten Stürmer nicht auf dem Schirm gehabt und im Fünfmeterraum eine Lücke gelassen, in die ein ganzer Bus gepasst hätte. Die Vorlage lieferte Benjamin Pavard.

20. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Und zack, hat das Spiel eine Eigendynamik, Bayern kommt ins Rollen. Der BVB muss aufpassen, dass es nicht gleich 2:0 steht. Sonst würde es ihnen, nunja, wie bei ihren letzten vier Bundesligaspielen in München ergehen.

22. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Coman kann auch Offensive. Der Franzose sprintet die Seitenlinie entlang, flankt in die Mitte. Dort kommt Serge Gnabry angeflogen, doch seine Frisur ist noch nicht fluffig genug, um den Ball zu erwischen.

25. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 David Alaba packt schon wieder so einen leiwanden Eröffnungspass aus. Wien echter Spielmacher, der Österreicher.

27. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Die Sportschau bietet leider nur das „Tor des Monats“ an und nicht die „Ballannahme des Monats“. Ich versuch das mal zu beschreiben. Robert Lewandowski springt ab, hebt den Fuß auf Kopfhöhe, berührt den in hohem Bogen fliegenden Ball mit der Fußspitze und führt ihn im Fallen direkt vor sich auf den Boden. So ein bisschen, wie dieser stilisierte Fußballer im Bundesliga-Logo. Davor übrigens Gnabry fast mit dem 2:0. Dortmund schwimmt hier härter als weiland Britta Steffen.

29. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Wie reagiert nun der BVB auf dieses Trommelfeuer der Münchner? Um seiner Mannschaft Impulse von außen zu geben, hatte Lucien Favre zuletzt seine Muskelfasern im Oberschenkel bis zum Zerreißen strapaziert. Und nun? Dortmunds Medizinabteilung hält sich jedenfalls bereit.

32. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Wieder Parade von Roman Bürki, diesmal unterbindet er einen Gnabry-Pass auf Lewandowski. Was dem BVB Mut macht? Es steht nur 1:0.

33. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Hansi Flick hat heute auch etwas Unterstützung von Pep Guardiola. Der Katalane hatte David Alaba in seiner Münchner Zeit das Spiel als Innenverteidiger beigebracht. Alaba hat die Erinnerungen an diese Lehrstunden heute offensichtlich wieder hervorgekramt. Jedenfalls füllt er die Position bisher so aus, als wolle er, dass Jerome Boateng auch im übernächsten Spiel noch zuschauen muss.

34. Minute, Bayern-Dortmund, 1:0 Signal-Zweikampf von Joshua Kimmich. Nimmt Axel Witsel, faltet ihn dreimal, steckt ihn in die Tasche und trägt ihn ab jetzt mit sich rum.

36. Minute, Bayern-Dortmund, 1:0 Eine Auswechslung wie eine Vollbremsung. Dortmunds Jadon Sancho, der während der Woche aufgrund einer Verletzung fraglich war, muss ausgewechselt werden. Für ihn kommt Raphael Guerreiro. Die Dortmunder müsse nun ohne einen ihrer gefährlichsten Angreifer auskommen.

38. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Tor für den FC Bayern durch Serge Gnabry – so scheint es erst. Davies wird immer mutiger, geht durch, flankt auf Lewandowski. Dessen abgefälschter Ball landet aber beim deutlich im Abseits stehenden Gnabry.

40. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Wieder eine gute Aktion von Mats Hummels. Fängt einen Pass von Lewandowski auf Gnabry ab. Spielt er hier für Bayern vor?

43. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Gnabry versucht es mit dem Robben-Move, zieht von rechts in die Mitte. Sein Schuss ist dann aber eher Landes- als Bundesliga. Zuhause vorm Fernseher ist Robben trotzdem stolz.

45. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Ich suche mal kurz das Haar in der Suppe: Thomas Müller ist noch nicht so richtig im Spiel. Jetzt wäre es natürlich gut, wenn der FC Bayern eine technisch starke Alternative auf der Bank hätte.

Halbzeit Einmal durchschnaufen, werden sich die Dortmunder denken, warum ist jetzt schon Pause die Bayern. Die Münchner liefern hier ein Spiel ab, das künftig als allgemeingültiges Beispiel für die Kategorie „Trotzreaktion“ gelten könnte. Trainer weg? Krise? Verunsicherung? Davon ist nichts zu sehen. Nach dem Tor von Robert Lewandowski (wer sonst?) zwängt Bayern die Dortmunder in die eigene Hälfte, als seien sie zwei Spieler mehr. Es ist viel zu sehen, bei dem man dachte, die Bayern hätten es vergessen oder verlernt: kollektives Verteidigen, sicherer Ballbesitz, solche Dinge.

Halbzeit Wie wir gerade erfahren, gibt es große Probleme beim Streaming von Sky. Das bedeutet natürlich, dass die armen Menschen von deren Kundenhotline dort derzeit einen noch undankbareren Job haben als Roman Bürki. Wir können nicht helfen, nur die Bundesliga-Konferenz von WDR 2 empfehlen (https://www1.wdr.de/radio/wdr2/programm/bundesligakonferenz-100.html). Sky meldet sich dann später noch vom Abgrund.

Halbzeit Der SC Freiburg spielt erst morgen, Joachim Löw sitzt also auch im Vip-Bereich der Münchner Arena, um sich dieses Spiel anzuschauen. Auch Sky-Mann Patrick Wasserzieher hat den Bundestrainer dort entdeckt und befragt ihm zum Spiel. Löw analysiert treffend zu den Dortmundern: „Niemand geht tief“ (weder Brandt, Hazard, Götze noch Sancho). Die Bayern würden das besser machen. „Sie gehen in den Rücken der Abwehr“, sagt Löw. Dann sagt er noch etwas, dass Sie, liebe Leser vermutlich bald als Schlagzeile bei einem Boulevardblatt lesen werden: „Dortmund wirkt ängstlich.“ Auch damit hat er nicht unrecht.

Halbzeit Hansi Flick am Seitenrand, Löw auf der Tribüne? Diese Bilder versetzen einen ins Jahr 2008 zurück. Damals war Flick Bundestrainer für einen Tag. Er besiegte Portugal im Viertelfinale. Gelingt diesmal wieder ein wichtiger Sieg als Stellvertreter? Es sieht bislang jedenfalls sehr gut aus. Gefragt nach einem längeren Engagement seines Ex-Assistenten als Bayern-Chef sagt Löw: „Er hat die Kompetenz und eine hohe emotionale Fähigkeit. Natürlich weiß der Hansi, was zu tun ist. Ich denke schon, dass er das kann.“

46. Minute, Bayern – Dortmund, 1:0 Weiter geht es. Also für die beiden Mannschaft. Nicht für Kunden von Sky.

47. Minute, Bayern – Dortmund, 2:0 Tor für den FC Bayern. Müller sprintet die Außenbahn runter wie der nie gebaute Transrapid Richtung Flughafen, legt quer, Lewandowski verpasst, Gnabry schiebt ein. Erst pfeift Felix Zwayer, aber Müller stand eindeutig nicht im Abseits. Der Videoschiedsrichter guckt kurz auf den nicht von Sky betriebenen Monitor. Tor zählt.

52. Minute, Bayern – Dortmund, 2:0 Sky-Kommentator Wolff-Christoph Fuss sieht gerade „fast die vorzeitige Entscheidung“. Das vermeldete er in der 52. Minute und man muss zum Bedauern der Dortmunder sagen: Ganz unrecht hat er damit nicht. Nach einer Flanke von Coman rutscht Gnabry zum Ball, der anschließend nur wenige Zentimeter am Pfosten vorbeigeht. Fazit: Das werden noch lange 40 Minuten für Dortmund.

57. Minute, Bayern – Dortmund, 2:0 Und weil wir es vor dem Spiel thematisiert haben – Alphonso Davies macht hier ein super Spiel. Da stellt sich natürlich die Frage: Kanada weiter dran anknüpfen?

59.Minute, Bayern – Dortmund, 2:0 Eins steht fest: Als Kovac sich vom FC Bayern getrennt hat (oder umgedreht), hat er den schwachen Kingsley Coman mitgenommen. Hansi Flick hat den starken Coman wieder ausgepackt. Der Franzose spielt einen wunderbaren Pass durch die Schnittstelle auf den immer gleichguten Lewandowski. Sein Schuss zischt nur knapp am Tor vorbei. Da fehlte nur wenig zum 3:0.

60. Minute, Bayern – Dortmund, 2:0 Lucien Favre versucht hier nochmal alles, Marco Reus und Paco Alcacer kommen für Mario Götze und Julian Weigl. Das Gute daran: Es ändert sich beim BVB irgendwas.

62. Minute, Bayern – Dortmund, 2:0 Reus, der Kapitän, setzt zwei Minuten nach seiner Einwechslung ein sogenanntes Zeichen und foult Joshua Kimmich im Mittelfeld. Er sieht dafür Gelb. Ob das die richtige Botschaft von einem Feinfuß wie Reus ist? Lucien Favre würde sich vermutlich lieber einen reus’schen Flatterschuss wünschen, der im Tor landet. Aber heute erfüllen sich eben wenige von Favres Wünschen.

66. Minute, Bayern – Dortmund, 2:0 Offenbar funktionieren SkyGo und SkyTicket immer noch nicht. Und das zum Topspiel. Das ist auch ungefähr so, wie wenn das einzige Freibad des Ortes im Sommer ein Leck hat. Maximal bitter, die Wut ist riesig – aber das Freibad hat halt ein Bade-Monopol.

67. Minute, Bayern – Dortmund, 2:0 Der sonst so introvertiert wirkende Coman zeigt plötzlich mehr Emotionen als bei allen seinen Bayern-Toren zusammen. Der Franzose schnappt sich den Ball und schießt ihn aufs Stadiondach. Was war passiert? Coman war mit einem Pfiff von Schiedsrichter Zwayer nicht zufrieden. (Zur Verteidigung von Coman muss man sagen: Achraf Hakimi hatte einen Freistoß dann doch eher geschunden). Am Ende gibt’s Gelb für Coman.

69. Minute, Bayern- Dortmund, 2:0 Was ist das? Ja, doch, tatsächlich – ein Lebenszeichen von Borussia Dortmund! Paco Alcacer erreicht mit der Sohle einen Querpass von Hakimi und der Ball hoppelt am Tor von Manuel Neuer vorbei, der bereits nach Hause zum Tegernsee geradelt ist. Wie reagiert Bayern auf diesen Aufstand? Sie wechseln den drittteuersten Fußballer der Geschichte und den besten Fußballer der vergangenen Saison ein. Gnabry und Goretzka gehen also für Coutinho und Thiago.

73. Minute, Bayern- Dortmund, 2.0 Wieder bolzt Coman gegen den Ball (siehe 67. Minute), diesmal entscheidet er sich, in Richtung Tor zu zielen. Sein Versuch geht nur wenige Zentimeter drüber. Ein paar Sekunden später schießt auch Thomas Müller knapp daneben. Die Dortmunder schauen dabei mit einer Ruhe zu, als wüssten sie etwas, was wir alle nicht wissen.

76. Minute, Bayern – Dortmund, 3:0 Gerade wollte ich schreiben, dass es mit Chancen-Verballern so langsam echt arrogant bis albern wird. Aber Thomas Müller denkt genau so, spielt eine sehr feine Flanke auf Robert Lewandowski, der zum überüberüberfälligen dritten Tor einschiebt.

77. Minute, Bayern – Dortmund, 3:0 Die Dortmunder haben das Verteidigen jetzt offenbar völlig aufgegeben. Benjamin Pavard, seines Zeichens kein Sprinter, läuft einmal die Linie entlang, kein Dortmunder stellt ihn, keiner verhindert die Flanke. Zwar kein Tor, aber damit hat Dortmund wenig zu tun.

79. Minute, Bayern – Dortmund, 4:0 Und jetzt ist der Zirkus in der Stadt. Coutinho spielt einen Pass aus dem Fußgelenk übers halbe Feld auf Ivan Perisic (eingewechselt für Coman) und Thiago zwingt Mats Hummels zum Eigentor. Dortmund holt sich jetzt also auch auf dem Papier seine übliche Klatsche in München ab. Wie so ein HSV in schwarz-gelb.

83. Minute, Bayern – Dortmund, 4:0 Jetzt mal im ernst: Der BVB ist auch nicht erst seit gestern Spitzenmannschaft, die haben allein in dieser Saison schon gegen Barcelona und Inter Mailand gespielt und bestanden – wieso fallen die in München ständig zusammen wie ein Kartenhaus im Herbstwind?

84. Minute, Bayern – Dortmund, 4:0 Franck Ribéry hat es sich nicht entgehen lassen, aus Florenz anzureisen, um dieses Spiel im Stadion zu verfolgen. Wie ein stolzer Onkel sitzt er da oben auf der Tribüne, sieht einen Coman und Gnabry flitzen. Er hat die Gewissheit, das manche Dinge sich nicht ändern: Der BVB geht in München unter.

86. Minute, Bayern – Dortmund, 4:0 Jetzt ist es nur noch ein einziges Ertragen für den BVB. Um die Debatte vielleicht mal zu versachlichen . Der FC Bayern hat hier hervorragend und im Kollektiv verteidigt. Nach dem 1:0 von Lewandowski war der BVB unter Druck und hat es nie geschafft, den roten Schwarm auseinanderzuspielen. David Alaba und Alphonso Davies haben beide einen super Tag erwischt und spätestens nach dem Konter zum 0:2 über Müller war es dann rum. Ob man dann wirklich die Gegenwehr aufgeben muss – das ist eine andere Frage.

90. Minute, Bayern – Dortmund, 4:0 Die Chancen, dass Hansi Flick nun erstmal Bayern-Trainer bleibt, sind übrigens eher hoch. Für weitere fundierte SZ-Prognosen bleiben Sie dran!

Schlusspfiff Der Pfiff erlöst den BVB mal wieder. Der FC Bayern gewinnt hochverdient und überlegen das, man muss leider sagen, sogenannte Spitzenspiel. Die Münchner deuten an, dass ein Trainerwechsel im Fußball manchmal doch was bringt. In der Form droht der Bundesliga jedenfalls tatsächlich wieder die von Hoeneß prophezeite Langeweile. Und der BVB? Dachte eigentlich, dass sie spätestens mit dem 3:2 gegen Inter wieder auf Kurs sind, nun fliegen sie in München wieder mit Schwung aus der Kurve. Was Dortmund Mut macht: Das Rückspiel findet in Dortmund statt und da gewinnen sie in der Regel gegen die Bayern. Danke fürs Dabeisein, liebe Leser, bis zum nächsten Spieltag. (SZ 10.11.) menschen 

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